Imbolc
(frei nach Loriot)
Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein keine niedersinken.
Auf Nordmanntännleins dorrem Wipfel
häuft sich diesmal kein weißer Zipfel.
Doch dort vom Grundstück her durchbricht
den dunklen Tann ein warmes Licht.
Da droben hockt im Feuerschein
Salanenvolk bei Bier und Wein.
In dieser wunderschönen Nacht
ha'm sie viel Bäume mitgebracht.
Die waren bei des Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
So kam man mit sich überein:
am Imbolcabend muß es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh',
das Häslein tat die Augen zu,
da legten sie - zu ein, zu zwein,
die Bäumchen in das Feuer rein.
Vom Qualm geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase
und ruhet weiter süß im Dunkeln,
derweil die Sternlein traulich funkeln.
Und in den trock'nen Kehlen drinnen
da läuft der Gerstensaft von hinnen.
Krechting und Klaus derweile eilen,
die Bäum' unter sich aufzuteilen.
Schnell hat man sie auf Gabels Zinken
- die beiden kommen nicht zum trinken -
und einträchtig steht Baum an Baum
ruckzuck verloht - man glaubt es kaum.
Nach kurzer Zeit bleibt nichts zurück
vom heimatlichen Weihnachtsglück:
Schon kann man hier, es geht auf zehn,
den letzten Baum verglimmen seh'n.
Da tönt's von fern wie Silberschellen,
in Ziegenhein die Hunde bellen.
Wer ist's, der in so tiefer Nacht
am Fuchsturm seine Runde macht?
Der Opper kommt auf flottem Schlitten
mit `nem Gepäckstück angeritten.
"He, guter Mann, hast du noch Sachen,
um uns're Glut neu zu entfachen?"
Das Feuer am verglimmen schon,
doch Opper ruft mit hellem Ton:
"Das Bündel Reisig", hebt er an,
"ist alles, was ich geben kann."
Die letzten Flammen knistern leise,
Salana macht sich auf die Reise.
Verschwunden ist das munt're Volk,
das Feuer aus - es war Imbolc.
P.S.